Selftracking, BigData und Persönliches

Aus ernsthaften gesundheitlichen Gründen habe ich 2013 angefangen, ununterbrochen einen fitbit zu tragen und die meisten damit erfassbaren Werte zu tracken.
Vorher habe ich ziemlich genau abgewogen, ob ich das wirklich will: meine Körperdaten über einen fremden Dienst „in der Cloud“ aufbewahren und synchronisieren (aus den geschlossenen Geräten kann man die Daten nicht direkt auslesen).
Aufgrund mangelnder praktischer Alternativen habe ich mich dann trotzdem pragmatisch dafür entschieden.

Wie ich das Gerät für meine persönlichen Zwecke brauchbar gemacht habe, habe ich im Sommer auf der Enthusiasticon beschrieben, die Slides sind hier, der Mitschnitt kann hier aufgerufen werden.

Mit Hilfe der erhobenen Daten und entsprechender Vergleiche ist es mir gelungen, eine chronische und als nichtheilbar klassifizierte Erkrankung „in den Griff“ zu bekommen und einen ganz normalen Alltag zu leben.

Ich bin heute sehr froh, damals die Entscheidung gegen Datenschutzbedenken und für „BigData“ getroffen zu haben.

Was ich durch eine sportmedizinischen Untersuchung seit heute sicher weiß:

  • wie schwer meine einzelnen Gliedmaßen und der Rumpf getrennt sind (ich hatte mir nie darüber Gedanken gemacht, dass linker Arm und rechter Arm und linkes Bein und rechtes Bein ernsthaft ein unterschiedliches Gewicht haben, dabei ist das eigentlich logisch),

  • dass ich 1,5 Zentimeter größer bin, als ich immer gedacht habe

  • dass mein Körperfettanteil wesentlich geringer ist, als ich selbst die ganze Zeit gemessen und angenommen hatte, und dass da tatsächlich fast keine Reserven mehr sind,

  • dass ich viel zu wenig Energie aufnehme, obwohl ich mich exakt innerhalb der von Ernährungsberatern vorgegebenen Durchschnittswerte bewege, über den fitbit quasi ein zeitgenauer Abgleich zwischen Aufnahme und Verbrauch erfolgt und mein Körper wahrscheinlich deshalb seit einigen Wochen streikt,

  • dass man tatsächlich leider als schlanker Mensch ganz anders behandelt und ernst genommen wird als als übergewichtiger, obwohl man einen wesentlich schlechteren Gesundheitszustand hat und eigentlich zusammengestaucht gehört,

  • dass in dieser Leistungsgesellschaft in diesem Bereich auf einmal Ineffizienz gefeiert wird: Es ist angeblich toll und beneidenswert, dass ich allein zum Schlafen, Atmen und für die Körperfunktionen 50 % mehr Energie verbrauche als der vergleichbare Durchschnittsmensch, weil ich so viel mehr essen könnte, ohne zuzunehmen - diese Sichtweise ist einfach kaputt.

Was ich gern an andere weitergeben möchte:

  • eure Daten sind nur so gut, wie die Genauigkeit, mit der sie erhoben wurden
  • die Auswertung eurer Daten ist nur gut und hilfreich, wenn ausreichend Vergleichsdaten zur Verfügung stehen - und zwar unabhängig von den Datenbanken der jeweiligen Anbieter
  • medizinische Geräte sind nach wie vor genauer als die im Handel für Normalverbraucher erhältlichen, so zuverlässig die auch wirken mögen
  • es lohnt sich, bei nicht erklärbaren Abweichungen Individualwerte bestimmen zu lassen
  • es lohnt sich, bei ungeklärten Krankheitsbildern eine eigene Datensammlung zu haben, weil sich auf einmal auf Augenhöhe mit Medizinern über vorher Unerklärliches sprechen lässt und gemeinsam Ideen entwickelt werden können
  • in Sachen Lebensmasse: es gibt, auch wenn es gerne bestritten wird, mit derzeitigen Standardmethoden unerklärliche Dinge - zum Beispiel benötige ich augenscheinlich 700 kcal allein für den Ruhegrundumsatz mehr als die Vergleichspersonen der Datenbanken und kann offensichtlich wirklich am besten mit Fett und Eiweiß und ohne Kohlenhydrate überleben. Den Denkanstoß dafür gab vor ein paar Jahren ein Naturheilkundler. :D
    Es lohnt sich also durchaus, ab und an mit offenen Augen nach anderen Wegen zu suchen, auch wenn man eigentlich von nicht anerkannten Methoden nicht viel hält.
  • wir brauchen dringend offene Hardware:
    • die individuellen Werte können z.B. in den fitbit nicht eingegeben werden; der Grundumsatz wird immer aus der vorhandenen Datenbank errechnet
    • wir müssen diese Daten erheben und selbst auswerten und austauschen können, ohne an proprietäre Dienste gebunden zu sein.

Falls jemand Interesse an der Gesundheitssache hat: bitte individuell melden, ich bin da durchaus am Austausch interessiert.
Stichworte: Fibromyalgie, Nitrostress, ATP, Mitochondrien, Kohlenhydratunverträglichkeit

Freies Bewegen im öffentlichen Raum

Mag sein, dass ich gerade überempfindlich bin, weil ich neu herausfinden muss, wie ich nach Umzug und geänderten Anforderungen meine Wege am besten (effizientesten) gestalte und damit einfach noch kein Sicherheitsbauchgefühl aufkommen will. Das sollte nur eigentlich keine Rolle spielen.

Gestern Abend, kurz vor 21:00 Uhr an einer Bushaltestelle in Berlin, Hauptverkehrsstraße, gut beleuchtet, von mehreren Buslinien „bedient“ - also nicht abgelegen. Weitere Menschen warten im Unterstand.

Ich stehe, da an dem Tag bereits genug fremde Menschen in direkter Nähe gehabt, ein paar Meter abseits, Kopfhörer auf, in Gedanken versunken, bemüht, trotz Müdigkeit nicht zu grimmig zu schauen.
Jüngerer Mann stellt sich in die Nähe, kurzer Blickkontakt, keine weitere Interaktion, weiter Musik hören, nachdenken und warten.

Plötzlich Worte, die ich anfangs nicht mal als an mich gerichtet wahrnehme. Dann kommt dieser Mensch direkt an mich heran, spricht mich gezielt an. Kopfhörer ab in der Annahme, dass er eine Frage hat. Dann prasselt ein Wortschwall an Beschimpfungen auf mich ein, nicht geschrieen, eher leise, sehr nachdrücklich mit sehr ernstem Blick vorgebracht; dabei mehrfach der Hinweis, dass er mich gleich vor den nächsten Bus stoßen würde, wenn ich ihm nicht zuhöre. Man würde fremde Menschen nicht anlächeln (ich glaube, das war es, was ihn so aufgebracht hat: der Blickkontakt) und wenn ich ihm nicht zuhören würde, würde ich gleich so aussehen wie die Reifenspuren auf der Straße.

Ich setze die Kopfhörer wieder auf, bewege mich in Richtung Unterstand, er kommt hinterher und redet weiter, deutet immer wieder auf die Reifenspuren, wird lauter: ob ich ihn verstanden hätte.
In meiner LmaA-Stimmung nehme ich die Kopfhörer ab, sage ihm, dass er tun soll, was er nicht lassen kann, setze die Kopfhörer wieder auf, bleibe an der Stelle stehen, warte ja auf den Bus. Mulmiges Gefühl.
Die Menschen im Unterstand sind entweder sehr beschäftigt oder schauen in eine andere Richtung. Kurz die Überlegung, jemanden anzusprechen, aber eigentlich ist ja nichts passiert, nur ein mulmiges Gefühl, eigentlich kein Grund für Panik.

Was gereicht hätte, mir Sicherheit zu vermitteln: eine einzige Person, die mir signalisiert, dass sie die Situation erfasst hat - entweder durch Blickkontakt oder einige Schritte auf mich zu oder vielleicht die Frage, ob alles in Ordnung ist.
Klar riskiert man, sich lächerlich zu machen, wenn man die Situation falsch erfasst hat. Bloß was macht das schon - gehen doch eh alle gleich wieder in verschiedene Richtungen auseinander.

Wir können über Überwachungskameras diskutieren, über geschützte Räume, wir können uns über „Monster“ aufregen - das alles macht es überhaupt nicht besser. Ein einziger Schritt, ein Moment Aufmerksamkeit für eine ungewöhnliche Situation, ein kleines bisschen Mut/Energie aufbringen für eine (wertfreie) Nachfrage würden das Sicherheitsgefühl für alle wesentlich und auf Dauer erhöhen.

Ich kann mir jetzt überlegen, ob ich (scheinbar) sicher U-Bahn fahre und eine Stunde Zeit vergeude, da durch längeren Fußweg, Umsteigen und Fahrgastzahlen nicht für etwas Sinnvolles nutzbar, oder ob ich die mir Angst machende Wartesituation an zwei Bushaltestellen in Kauf nehme und dafür während fast einer Stunde Fahrzeit Dinge aufarbeiten kann.
Bin mir noch nicht sicher. Freies Bewegen im öffentlichen Raum.

Diese Sekundenbruchteile

der Unaufmerksamkeit, die das Leben irreversibel verändern und die man sich nie verzeiht

2004 - bis eben war noch alles gut. Stressig, aufreibend, nervig zum Teil, aber trotzdem gut. Rückblickend: richtig gut.

Donnerstag, abends, zwischen 19:00 und 20:00 Uhr, Dunkelheit, auf dem Rückweg vom Hektik-Not-Kinderschuh-Einkauf in irgend so einem dämlichen riesengroßen Stadteil-Einkaufszentrum.
Im Auto, fahrend, das Kind neben mir gerade geschafft eingeschlafen. Dreispurige Straße, links abbiegen auf dem Weg nach Hause an den Stadtrand. Müde, eigentlich sollte man so nicht Auto fahren. Aber: es wäre ohne Auto alles gar nicht zu schaffen gewesen. An diesem Tag wie an den anderen auch. Der Mann auf irgend so einer Dienstreise, wie so oft, dieses Mal Messe, also länger.

Die letzten Meter noch, heim, das Kind ins Bett bringen; der nächste Tag sollte der letzte Einarbeitungstag in der neuen Firma sein, ab Montag sollte ich die Personalsachbearbeitung inklusive Gehaltsabrechnung in einem Pflegedienst allein übernehmen. Also tausend Dinge im Kopf. Und müde, unfassbar müde.
Links einordnen, sehr breite Straße, Lichter blenden. Langsam vor fahren in den Kreuzungsbereich - war das jetzt Linksabbieger-Grün oder Geradeausfahrer-Grün? Lieber stehen bleiben und noch mal schauen.

Da kommt das Auto, bremst, aber hält nicht an, fährt voll in die Seite vom Micra, lauter Knall, Scheiben splittern, das Kind fliegt im Gurt nach vorn und wird vom Gurt wieder zurückgezogen. Die Wahrnehmung - wie in Zeitlupe, wie im Film.
Will zum Kind greifen, komme nicht ran: der Gurt. Der Rahmen vom Auto ist total verzogen. Das Kind blutet im Gesicht. Es jammert: „Ich will jetzt nicht sterben, Mama, ich will nicht sterben.“ Das einzige, was ich machen kann, ist beruhigend immer wieder zu sagen: „Hey, Du stirbst nicht, keine Angst, Du stirbst nicht. Ich verspreche Dir das. Hier sind viele Leute, die helfen uns.“ Ich komme nach wie vor nicht ran, stecke einfach im Gurt fest. Alles ist so unwirklich.

Draußen stehen viele Menschen und versuchen, die Tür aufzumachen, es gelingt nicht. Verbandsmaterial wird durch das scheibenlose Fenster gereicht und dem Kind auf die - offensichtlich vorhandene - Schnittwunde gedrückt. Ich sehe ja nichts, hänge ja immer noch im Gurt fest, kann nichts tun, außer warten und ruhig mit dem Kind sprechen. Bin wie versteinert.
Die Leute von draußen reden auf mich ein: der Rettungswagen sei unterwegs, Polizei käme gleich, ich solle sitzen bleiben.

Dann kommt der Rettungswagen. Den Sanitätern gelingt es irgendwie, die Türen aufzubekommen, das Kind herauszunehmen, mich aus dem Gurt zu befreien.
Ich bin den beiden heute noch wahnsinnig dankbar: stoisch haben die uns durch die vielen Leute geführt: einer das Kind auf dem Arm, der andere mich am Arm, einfach geradeaus zum Rettungswagen. „Sie kommen jetzt einfach mit, hier kümmert sich jetzt die Polizei um alles, das lassen wir jetzt alles stehen und liegen, machen Sie sich keine Sorgen, Sie kommen jetzt einfach mit.“
Rettungswagen, Sanitäter versorgen uns, lassen mich endlich zum Kind und ich kann die Verletzungen sehen. Schnittwunden auf der rechten Gesichtshälfte, zum Teil Splitter unter der Haut. Wir fahren ins Krankenhaus, Notaufnahme. Zum Glück ein Haus mit Kinderstation.
Pullover soll zerschnitten werden: das Kind ist außer sich. Ich darf mit dort bleiben. Soll Familie informieren. Wen informieren? Ich bin allein mit dem Kind in München, der Mann ist unterwegs in Berlin oder Hannover, bin mir da gar nicht mehr sicher, Messe eben. Familienangehörige, Freundeskreis: alle fast 500 km weg. Okay, dann wenigstens den Mann anrufen. Auf dem Telefon Anrufversuche von ihm, klar, der wundert sich, dass um die Zeit niemand zu Hause zu erreichen ist. Ich rufe zurück, muss irgend etwas gesagt haben wie: „Wir sind im Krankenhaus, hatten einen Autounfall, alles ist gut, mach Dir keine Sorgen.“ Und muss aufgelegt haben - mit Mobiltelefon im Krankenhaus geht ja nicht. Und außerdem war ja die Information übertragen, mehr ging nicht, das Kind wartete ja im Notaufnahmeraum.

OP ist nötig, Narkose ist ein Problem, weil wir ja gerade im Einkaufscenter noch etwas gegessen haben. Was tun? Ich soll entscheiden. Wie entscheidet man da? Örtliche Betäubung und Kind traumatisieren? Narkose und Risiko von Erbrochenem in der Luftröhre eingehen? Ich weiß es einfach nicht. Das Kind schaut mich mit großen Augen an, versteht ja alles und kombiniert die ganze Zeit - das verstehen widerum die Ärzte nicht. Wir entscheiden uns dann für Narkose. Das heißt, ein beherzter Kinderarzt traut sich, mir die Empfehlung zu geben: er würde für sein Kind jetzt entscheiden, dass es eine Narkose bekommt. Und ich unterschreibe dann diese fürchterlichen Papiere.
Begleite das Kind noch bis zur Tür vom OP-Bereich, helfe bei der Medikamentengabe, Tür geht auf, Kind fährt durch, Tür geht zu. Kind ist weg.

Ich stehe alleine auf dem Flur. Eine Krankenschwester kommt und meint, sie wollten jetzt endlich mal nach mir sehen. Diverse Prellungen, ich merke nichts. Ich will nur zu meinem Kind und kann nicht hin, muss warten. Alleine. Der Mann rief zwischendurch an, er würde sich ein Auto vom Kollegen leihen und nach Hause kommen. Irgendwie schaffe ich es, ihm das auszureden: war logisch und rational Blödsinn. Es hätte ewig gedauert, bis er da gewesen wäre, er hätte gar nichts machen können und mir ging es ja soweit gut.

Zwischendurch kommen zwei Polizisten, bringen mir meine Tasche mit Papieren, nehmen Daten und Aussage auf, erklären, dass das Kind sehr gut angeschnallt war, es wäre sonst durch die Frontscheibe geflogen bei dem Aufprall. Sie hätten hinterher eine Verkehrskontrolle durchgeführt, bei der sie mehrere unangeschnallte Kinder festgestellt hätten. Ich solle mir keine Vorwürfe machen.

Vorwürfe. Meine Gedanken rattern. Der Tag war von vornherein viel zu vollgepackt. Eine Stunde Weg zur Kita, von dort eine halbe Stunde zur Arbeit. Langer Arbeitstag, da langer Kita-Tag mit Museumsbesuch. Gut fürs Stundenkonto. Zwischendurch in den Waschsalon um die Ecke, weil die Waschmaschine ausgerechnet jetzt kaputt gehen musste und ich am Samstag mit dem Kind zum Geburtstag der Mutter fahren will. Feststellen, dass das Kind keine passenden Halbschuhe mehr hat. Frühlingswetter und Winterstiefel, das geht gar nicht, du arbeitende Rabenmutter, also noch irgendwie Schuhkauf einplanen. Kind 17:30 Uhr von der Kita abholen, mitten in München, an den Stadtrand nach Hause fahren, zwischendurch ins Einkaufszentrum. Mit der Wäsche im Kofferraum. Selbst kaum was gegessen, müde von der anstrengenden Einarbeitung. Müdes, glückliches Kind, das aus einer Picasso-Ausstellung kam und erzählen wollte. Schön, aber eben auch anstrengend. Schuhe kaufen mit Kindergartenkind. Auch das ohne Theater und Gezerre hinbekommen. Noch gemeinsam entschieden, was wo gegessen wird, gut unterhalten dabei, endlich nach Hause fahren können. Bis dahin war alles gut, richtig gut. Anstrengend, sehr, aber gut. Wir haben immer alles gut hinbekommen.

Dieses Mal hätte ich nicht fahren dürfen. Ich habe genau gemerkt, dass dieser Tag für mich selbst viel zu viel war, und wollte nicht aufgeben. Bin, wie so oft, wieder über alle Körpersignale hinweggegangen, um, wie immer, alles gut hinzubekommen. Alles nur eine Frage der Organisation, Frau Geht-nicht-gibt-es-nicht.
Das war jetzt die Quittung. Nur dass nicht ich im OP lag, sondern das Kind. Das überhaupt gar nichts dafür konnte. Dem der Tag mit Sicherheit auch viel zu viel war, das aber, auch wie fast immer, kooperativ mit mir mitgezogen hat.

Tür geht auf, Kind wird herausgeschoben, Kinderarzt schaut mich freundlich an und sagt, dass alles okay ist, er organisiert hat, dass ich mit dem Kind alleine im Aufwachraum sein kann, wenn ich das möchte. Sicher möchte ich das.
Dann stehe ich neben dem Bett, sehe mein Kind, das noch zierlicher und verletzbarer wirkt, als sowieso schon. Und mir wird klar, wie haarscharf das gerade war.

Da sorgt man sich um so Sachen wie Qualität der Kinderbetreuung, ob Montessori-Schule oder nicht, findet Kleinkram, der die Kinderseele beschädigen könnte, wahnsinnig wichtig und ist dann so unverantwortlich und riskiert wegen Halbschuhen das Leben genau des sonst so umsorgten Kindes. Weil man zu feige und zu stolz ist, sich selbst und anderen gegenüber zuzugeben, dass eigentlich alles zu viel ist, dass man überlastet ist ohne Ende, dass man nur noch funktioniert und nicht ohne Grund kaum noch reden und etwas unternehmen mag. Weil man die Auseinandersetzung nicht führen möchte, weil es doch irgendwie gehen muss, wenn man sich nur anstrengt und wirklich will. Nicht man: ich.
Und ich soll mir keine Vorwürfe machen.

Ab diesem Zeitpunkt geht alles nur noch mechanisch. Es sind schöne Dinge geschehen, zum Beispiel Nachbarn, die geholfen haben, weil wir sie vorher auch unterstützt haben (was mir nicht mal bewusst war), z. B. ein Taxifahrer, der mich zum kaputten Auto auf dem Abstellgelände gefahren hat, um die gesamte Familienwäsche dort rauszuholen (die war wirklich noch da, ein Wunder), und der unglaublich freundlich und hilfsbereit war.
Ich habe drei Tage später, also am Montag nach dem Unfall, meinen geplanten Dienst begonnen - mit Kind im Schlepptau und Rollkoffer, weil ich aufgrund von Prellungen nichts tragen konnte - die Gehälter mussten ja berechnet werden und außerdem war ich so froh, eine qualifizierte Anstellung gefunden zu haben, trotz Kind. Habe also nicht mal im Anschluss dem Kind die Ruhe gegönnt, die es wahrscheinlich dringend gebraucht hätte, sondern habe immer weiter durchgezogen.
So verantwortungslos muss man erst mal sein. Es war aber auch niemand da, der mich gebremst hätte. Alle fanden immer nur bewundernde Worte, wie man sich durchbeißt und alles möglich macht.

Das nächste war dann, dass automatisch Ermittlungen wegen Körperverletzung eingeleitet werden, wenn ein Kind verletzt wird, auch wenn es das eigene ist. Der Mann musste also zur Polizei und dort explizit erklären, dass er auf Strafverfolgung gegen mich verzichtet. Und ich sollte mir keine Vorwürfe machen.
Später wurde festgestellt, dass ich angeblich keinen wirklichen Fahrfehler begangen hätte, Zeugen hätten das so ausgesagt. Im anderen Auto saß eine Fahranfängerin mit drei Freundinnen, die aus Unerfahrenheit nicht gut reagiert hätte, es sei Pech gewesen.

Bloß: ich selbst weiß es besser. Dieser Bruchteil einer Sekunde Unaufmerksamkeit hätte 6 Menschen das Leben kosten können. Und der einzige, der ernsthafte körperliche Schäden genommen hat, war der Mensch, der mir der wichtigste auf der ganzen Welt ist und den ich bis zu diesem Zeitpunkt mit ganzem Einsatz umsorgt und von allen Gefahren von außen fernzuhalten versucht hatte.

Ich sehe das Kind heute noch fast jede Nacht in Richtung Frontscheibe fliegen und höre das „Ich will jetzt nicht sterben“ im Schlaf, komme innerlich nicht zur Ruhe, eine chronische Schmerzkrankheit hat sich verfestigt, unsere Familie gibt es so nicht mehr, weil ich die Geschichte einfach nicht loslassen und nicht mehr vertrauen konnte.
Und dabei ist noch nicht mal etwas wirklich Einschneidendes passiert: ein Autounfall mit leichten Verletzungen, passiert jeden Tag, vielen Menschen. Sich nach so vielen Jahren immer noch verrückt zu machen, ist absolut nicht logisch und angemessen. Das zu wissen macht es nur nicht besser.

Warum jetzt das alles?

Der Gedanke, im Menschengewühl auf einem vermeintlich sicheren Behördengelände mein Kind für eine Sekunde von der Hand gelassen und dann aus den Augen verloren zu haben - unfassbar.
Die Eltern des kleinen Jungen, der auf dem LAGeSo-Gelände verschwunden ist und nicht mehr lebt, hatten einfach nicht mal eine Chance, ihn zu beschützen. Sie haben alles richtig gemacht, wollten Ihrem Kind eine bessere Zukunft sichern, sind dafür Risiken eingegangen, haben es die ganze Zeit beschützen können und verlieren auf endlich sicherem Boden durch Umstände, die sie nicht zu verantworten haben, komplett die Kontrolle.

Wie überlebt man so etwas?

Und: warum kann so etwas hier, mitten zwischen uns, geschehen?

Workshop GnuPG mit MS Outlook

Im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung des Thillm und des TLfDI leitete ich gestern einen Workshop für Thüringer Lehrerinnen und Lehrer zum Thema E-Mail-Verschlüsselung per Gpg4win und MS Outlook.

Das Workshop-Thema war vorgegeben: diese Variante ist nach wie vor die empfohlene Lösung des BSI für Windows und MS Outlook, beides wird nach wie vor in Thüringer Schulen hauptsächlich für den Mailversand eingesetzt.

Gemäß straffem Zeitplan waren 2,5 Stunden für das Thema veranschlagt, erfahrungsgemäß ist es nicht möglich, mit einer Gruppe von 15 - 20 Teilnehmenden in dieser Zeit sowohl die Installation und Einführung in das Programmpaket als auch den praktischen Einsatz von asymmetrischer E-Mail-Verschlüsselung erfolgreich abzuschließen.

Außerdem stellte ich bei der Vorbereitung in vielen Versuchen mit unterschiedlichen Versionen von Windows und MS Outlook fest, dass allein die Software-Fehlermeldungen hohes Frustrationspotential erzeugen und deren Behebung sehr viel Zeit kostet und im Rahmen eines solchen Workshops nicht geleistet werden kann.

Eigentliches Ziel der Fortbildungsveranstaltung war, dass Lehrende in der Lage sind, vertrauliche Dokumente verschlüsselt zu versenden. Deshalb entschied ich mich dieses Mal für ein anderes Vorgehen, legte größeren Wert auf die Arbeit mit dem Gpg4win-Programmpaket und setzte den Fokus auf Dateiverschlüsselung per GPG und Versand der verschlüsselten Dokumente per E-Mail.

Das Konzept ist aufgegangen: in zwei Arbeitsgruppen herschte eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre, alle Teilnehmer, die geeignete Arbeitsgeräte mit einsetzbaren E-Mail-Konten mitbrachten und über Admin-Rechte für Installationen verfügten, konnten am Ende Dateien asymmetrisch verschlüsseln, versenden und wieder öffnen. Es konnten mehr Teilnehmer als beim letzten Mal verschlüsselte Daten versenden und empfangen, weil dieses Mal auch Webmailer zum Einsatz kommen konnten (ach ja ...). Ich kann diese Vorgehensweise also für das Ziel, mehr sensible Daten verschlüsselt in den Umlauf zu bringen, wirklich empfehlen.

Meine Slides, die immer wieder auf die offizielle Gpg4win-Dokumentation verweisen, stelle ich gern zur Verfügung (odp pdf); die Screenshots stammen von einer Windows7-Outlook 2010-Umgebung.

Update "hello"

Sieht nach Traumerfüllung aus:

Zulassung zum Vollzeitstudium "Informatik und Wirtschaft" an der HTW Berlin: liegt vor.

Teilzeitbeschäftigung abends, an Wochenenden und Feiertagen: Vertrag besteht seit 01.09.2015.

Rest findet sich.