Erste-Welt-Probleme und einfach schöne Momente

Heute Vormittag hatte ich eine Verabredung (dazu weiter unten) am Stadtrand, etwa 15 km Wegstrecke von mir entfernt. Egal, welches Verkehrsmittel ich nutzen wollte, jede Strecke würde mich ca. eine Stunde Zeit kosten: Zusatzkosten verursachender ÖPNV im Berufsverkehr im Sommer, wenig Kosten verursachender Pkw aus der Stadtmitte heraus oder Fahrrad.

Okay, dann Fahrrad, aber gleich mit Teststellung/Experiment, weil ich ohne Pulsuhr hunderprozentig aus Spaß an der Freude wieder jegliche vernünftige Leistungsbeschränkung übergehe.
Ich hatte also drei Apps, die mir während der Fahrt ins Ohr flüsterten: GoogleMaps über die Betaversion vom Fahrradroutenplaner, die Fitbit-App, die die Fahrt mittracken sollte, und die Polar Beat App, die über den dazugehörigen Herzfrequenzmesser die Daten zur Fahrt aufzeichnete.
Überraschung: es funktionierte perfekt - Weg gefunden, Zeit eingehalten, leistungsmäßig nicht verausgabt.

Klar schwirren jetzt wieder Positionsdaten und auch gemessene Körperzustandsdaten von mir in diversen Clouds. Ist mir aber inzwischen egal: ohne diese Dienste könnte ich im Alltag bei weitem nicht mehr so aktiv sein und ohne GoogleMaps wäre mein Aktionsradius wesentlich kleiner.

Problem: ich tracke meine Aktivitäten, um den Kalorienverbrauch festzustellen und möglichst komplett wieder aufzufüllen (ist nicht so einfach, aber für mich extrem wichtig).
Jetzt habe ich zwei unterschiedliche Auswertungen. Die Fitbit-App gibt an, dass ca. 830 kcal verbraucht wurden, die App zum Herzfrequenzmesser zeigt 1445 kcal. Erhebliche Differenz. Beide Apps zeigen einen rechnerisch ermittelten Wert an, ich vermute, der Wert, der aus der realen Herzfrequenz ermittel wurde, ist der genauere.
Ist aber eigentlich auch egal - so viel essen kann ich sowieso nicht. Hilft nur cool bleiben und beobachten.

Ich habe zu meiner Fitbit-Geschichte einen kurzen Vortrag auf der EnthusiastiCon gehalten, die Slides dazu sind hier, wenn der Mitschnitt veröffentlicht wird, werde ich ihn verlinken. Falls jemand Fragen/Anregungen dazu hat: einfach anpingen.

Zum "Aufwärmabend" kam eine Frau in die Wikimedia-Geschäftsstelle, die eigentlich zu einer anderen Veranstaltung wollte, dann aber doch erst mal dabei blieb. Wir haben uns kurz unterhalten und sie bat mich, mal nach ihrem Rechner zu sehen, grenzte das Problem ziemlich genau ein. Offensichtlich fand sie es gut, sich mit ihrem Problem an eine Frau wenden zu können (wir müssen also wirklich sichtbarer werden - nur so am Rand bemerkt).

Das war meine Verabredung heute. Es sieht so aus, als könnte ich in Zukunft ein wenig von meinem Technik-Wissen nutzbringend weitergeben. Gleichzeitig kann ich mir von ihr beim Aufpolieren meiner Sprachkenntnisse helfen lassen. Hervorragend.
Ich werde ihr demnächst einen Deal vorschlagen: sie verschlüsselt einen Teil ihrer Mails, dafür fange ich doch noch an, in der Wikipedia zu editieren. Treffpunkt hier: Women edit
Vielleicht gelingt es, einen regelmäßigen Treffpunkt für Wikipedia-Interessierte im Bytespeicher in Erfurt einzurichten, Thüringen ist da, soweit ich das sehe, wenig präsent. Wenn bei mir über den Sommer ein wenig Ruhe eingekehrt ist, werde ich das anregen, vielleicht klappt es ja.

Das sind so zauberhafte Orte, an denen ich mich anders verhalte als im Alltag und an denen sich dann Gelegenheiten ergeben, an die ich vorher nie gedacht hätte. Orte, an denen ich komplett die anstehenden Dinge vergessen, mich auf andere Fragestellungen konzentrieren kann und Ideen/Lösungen für Probleme finde.
Für mich sind das Hochschulgebäude, große Bibliotheken, Hackerspaces und eben die Wikimedia-DE-Geschäftsstelle. Bei anderen sind es andere, Hauptsache man findet die für sich selbst.

PS: Ich bin der Typ Mensch, der in der Öffentlichkeit privat gerade mal höflichen Smalltalk hinbekommt und sich nie mit fremden Menschen verabreden würde - außer an diesen magischen Orten, an denen man in der Regel mit den Menschen zumindest einen kleinsten gemeinsamen Nenner hat.

PPS: Habe gleich noch die Lösung für ein zwei Jahre altes äußerst ärgerliches Technikproblem an meiner eigenen Ausstattung gefunden: USB-Stecker in den JuiceCube einfach nur halb einstecken, dann funktioniert das auch mit dem Laden. :D